Die Wasserratte

Wasserratte ist ein biologisch ungenauer Begriff zur Bezeichnung verschiedener Nagetier-Arten, die nicht miteinander verwandt sind. Dies sind:

• in Eurasien die Schermäuse und hiervon vor allem die Ostschermaus
• in Afrika die Afrikanische Wasserratte (Colomys goslingi)
• in Südamerika die Alfaro-Wasserratten (Sigmodontomys) und die Neotropischen Wasserratten (Nectomys)
• auf Neuguinea die Neuguinea-Wasserratten (Leptomys) und die Neuguinea-Bergwasserratten (Paraleptomys)
• ferner die Fischratten und die Schwimmratten, und oft noch weitere wassergebundene Taxa kleiner Nagetiere

Wasserratten sind vielfach Menschen, die intensiv Wassersport betreiben Diese Seite ist eine Begriffsklärung zur Unterscheidung mehrerer mit dem gleichen Wort bezeichneter Begriffe.

Wanderratten – alles über die Wanderratte

Die Wanderratte (Rattus norvegicus) ist ein zu den echten Mäusen zählendes Nagetier (Rodentia) aus der Familie der Langschwanzmäuse und ist der Vorfahre aller Farbratten.

Abstammung und Verbreitung

Die Wanderratte stammt ursprünglich aus Zentralasien und Nordchina. Sie hat sich wie die Hausratte als Kulturfolger des Menschen in alle Welt ausgebreitet, allerdings erst ca. 1000 Jahre später. Knochenfunde der Wanderratte in Schleswig-Holstein wurden auf das 9. bis 10. Jahrhundert nach der Zeit datiert. Ab dem 18. Jahrhundert begann eine starke Verbreitung, die zur Verdrängung der Hausratte führte. Bedingt durch die veränderte Lebensweise der Menschen, den Bau moderner Häuser und die Kanalisation konnte sich die Wanderratte stark vermehren. In weniger modernen Siedlungen von Menschen ist ihr Verbreitungsgebiet dagegen beschränkt. So ist sie auch heute in Afrika nur in Groß- und Hafenstädten anzutreffen. Sie schwimmt sehr gut, klettern ist dagegen nicht ihre Stärke. Gerade in modernen Großstädten findet sie ideale Bedingungen vor. Man schätzt, dass z.B. in New York 16 Millionen Wanderratten leben, also zwei pro Einwohner.

Nahrung

Die Wanderratte ist ein Allesfresser. Sie nimmt mehr tierische Nahrung zu sich, als die Hausratte. Sie kann sich aber auch zeitweilig von ausschließlich pflanzlicher Nahrung ernähren, in Kolonien von Seevögeln lebt sie wiederum rein carnivor. Dies sollte man sich allerdings nicht als Leitfaden zur Ernährung in Gefangenschaft nehmen. Dort sollte man sie sehr abwechslungsreich ernähren, ein gutes Grundfutter ist Gerste.

Größe

Sie erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 21 bis 28 cm, eine Schwanzlänge von 17 bis 25 cm und ein Gewicht zwischen 250 g und 550 g. Der Schwanz der Wanderratte weist 160 bis 190 Ringe auf, also wesentlich weniger als bei der Hausratte. Die Augen und Ohren sind verhältnismäßig klein, kleiner als bei der Hausratte.

Das Verhalten der Wanderratte ist sehr anpassungsfähig. Im Freiland baut sie Erdhaufen mit Gängen, die zu den Nest- und Vorratskammern führen. In einem Nest können mehrere Weibchen gleichzeitig einen Wurf von 6 bis 10 Jungtieren großziehen. Wenn die Mutter ausfällt, übernimmt ein anderes weibliches Tier die Brutpflege. Die Jungtiere haben ein ausgeprägtes Spielverhalten, eine weibliche Ratte kann in ihrem Leben 6 bis 8 Würfe aufziehen. Im Freiland wird eine Wanderratte allerdings kaum älter als ein Jahr. Die Wanderratte ist ein soziales Tier, sie lebt in Gruppen von 50 bis 60 Individuen, die Gruppen bestehen zumeist aus einem Männchen und mehreren Weibchen und Jungtieren. Ihr Revierverhalten ist ausgeprägt. Die Angehörigen einer Gruppe erkennen sich am gruppenspezifischen Geruch. In Gruppen von Wanderratten können Erfahrungen, die einzelne Gruppenmitglieder gemacht haben, an andere Mitglieder weitergegeben werden.

Sie verfügt über ein ausgeprägtes Lernvermögen und lässt sich in Gefangenschaft leicht züchten. Dies hat sie zu einem bevorzugten Versuchstier gemacht. Die Experimentelle Psychologie und die Verhaltensbiologie untersucht anhand der Wanderratte unter anderem das Lernverhalten.

Domestikation

Die Wanderratte wird auch als Haustier gehalten und ist dann ein interessanter Hausgenosse. Die Wanderratte ist der Vorfahre der Farbratte und der Weißen Ratte, die in vielen Stämmen als Versuchstier gezüchtet wird.

Schadwirkung

Die wenig spezialisierten und somit sehr anpassungsfähigen freilebenden Tiere gelten gemeinhin als Nahrungsmittelschädlinge.

Die Wanderratte als Krankheitsüberträger

Bei der Pest spielte die Wanderratte in Europa keine große Rolle. Zwar wird sie vom Rattenfloh Xenopsylla cheopsis auch als Wirt angenommen, sie kann somit als Überträger wirken, aber zur Zeit der großen Pestepedemien war sie in Europa kaum verbreitet. Weiterhin kommen freilebende Wanderratten aber auch als mechanische Vektoren für die verschiedensten Krankheitserreger in Betracht. Sie sind eindeutig als Überträger von Typhus, Cholera, Ruhr, Tuberkulose, Trichinose, Leptospirose, Maul- und Klauenseuche und von Fadenwürmern festgestellt.

Die Wanderratte als Erregerwirt

Freilebende Wanderratten sind neben anderen kleinen Nagern ebenfalls Reservoirwirte für diverse Borrelienarten (Bakterien), die dann auch von Vektoren wie z.B. Zecken auf Tier und Mensch übertragen werden können. Andere Erreger können durch Urin und Kot der Ratten per Kontaktinfektion bzw. Schmierinfektion übertragen werden. Wenn man an seiner Hausratte solche Symtome feststellt, sollte man schnellstens eine Beratung in der Tierapotheke einholen.

Die Rüsselratte

Die Rüsselratte (Petrodromus tetradactylus) ist eine Säugetierart aus der Familie der Rüsselspringer (Macroscelididae). Sie gehört zu den größeren Vertretern ihrer Familie und lebt vorrangig in Wäldern.

Rüsselratten erreichen eine Kopfumpflänge von 16 bis 22 cm, eine Schwanzlänge von 13 bis 18 cm und ein Gewicht von 160 bis 280 Gramm. Ihr langes, weiches Fell ist grau oder sandfarben gefärbt, oft mit einem Orange- oder Rotstich. Meist ist ein grauer oder brauner Streifen ist an den Flanken vorhanden. Die Beine sind auffallend lang und dünn, wobei die Hinterbeine länger als die Vorderbeine sind und ähnlich wie bei den Kängurus eine hüpfende Fortbewegungsweise ermöglichen. Im Gegensatz zu anderen Arten haben sie an den Hinterbeinen nur vier Zehen. Charakteristisch ist wie bei allen Rüsselspringern die lange, rüsselartige Nase.

Lebensraum und Verbreitung

Rüsselratten leben im östlichen Afrika, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Demokratischen Republik Kongo und Kenia bis Sambia, Mosambik und zum nördlichen Südafrika verbreitet. Obwohl man sie manchmal in felsigem Gebiet findet, leben sie meist in Wäldern mit dichtem Unterholz.
Lebensweise

Rüsselratten sind dämmerungs- oder tagaktiv. Sie bauen keine Nester, sondern schlafen in Erdhöhlen oder in dichter Vegetation. Üblicherweise bewegen sie sich auf allen Vieren fort, im Bedrohungsfall können sie auch mit den Hinterbeinen springen, wobei sie den Schwanz nach oben strecken. Sie leben in monogamen Paaren und sind territoriale Tiere, die ihr Revier gegen Artgenossen verteidigen. Ihre Nahrung besteht aus Insekten, hauptsächlich verzehren sie Ameisen und Termiten.

Fortpflanzung

Die Weibchen können das ganze Jahr über Nachwuchs zur Welt bringen. Nach einer rund zweimonatigen Tragzeit kommen ein, selten auch zwei Jungtiere zur Welt. Wie bei allen Rüsselspringern sind die Jungen Nestflüchter. Der Zeitpunkt der Entwöhnung und des Eintretens der Geschlechtsreife sind nicht bekannt, es dürfte aber wie bei anderen Rüsselspringern sehr früh sein.

Bedrohung

Über die Bedrohung der Rüsselratten ist nichts bekannt. Da sie ein relativ großes Verbreitungsgebiet haben, zählen sie nicht zu den gefährdeten Arten.

Die pazifische Ratte

Die pazifische Ratte (Rattus exulans) ist die kleinste Art der kulturfolgenden Ratten.

Im Vergleich zu den anderen Ratten besitzt sie einen kürzeren Körper, eine spitzere Schnauze, größere Ohren und immer ein braunes Fell. Ausgewachsene Tiere sind 11,5 bis 15,0 cm von Schnauzenspitze bis zum Schwanzansatz lang und wiegen 40 bis 80 g. Der Schwanz besitzt feine zahlreiche Ringe und ist etwa genauso lang wie der Körper.

Lebensweise

Die pazifische Ratte kommt in zahlreichen Habitaten zurecht, u.a. Steppe, Felsland und Wald. Sie kann mühelos auf Bäume klettern, in denen sie auch immer etwas zu fressen findet, aber sie ist kein guter Schwimmer. Die pazifische Ratte ist, wie die Wanderratte und die Hausratte auch, dämmerungsaktiv.

Ernährung

Sie ernährt sich hauptsächlich von Reis, Mais, Zuckerrohr, Kokusnuß, Kakao, Ananas und Getreide.

Fortpflanzung

Es werden 4 bis 9 Tiere pro Wurf auf die Welt gebracht, normal sind 4 Würfe im Jahr.

Geschichte

Die pazifische Ratte wurde vermutlich im Zuge der Ausbreitung der Lapita-Kultur in Ozeanien verbreitet. Studien mitochondrischer DNA (mtDNA) der pazifischen Ratte zeigen, dass die Ausbreitung vermutlich von Indonesien (Halmahera) durch den Menschen ausging und von hier Mikronesien, Fidschi, Vanuatu und Neuseeland erreichte. Da sich die pazifische Ratte nicht mit der europäischen Ratte kreuzt, sind solche Studien bei diesem Tier leichter und aussagekräftiger durchzuführen als bei Hunden oder Menschen. Wahrscheinlich wurde die pazifische Ratte von den frühen Siedlern als Fleischlieferant genutzt. Allerdings gibt es aus Neuseeland Rattenknochen, die um die Zeitenwende datieren, während die ersten sicheren Nachweise menschlicher Besiedlung erst von etwa 1000 n. Chr. stammen.

Heute ist die Pazifische Ratte in ganz Südostasien und Polynesien verbreitet. Sie wird dort oft als Haustier oder zu mindest als Nahrungslieferant gehalten und wird als sehr wohlschmeckend geschildert.

Schadwirkung

Auch die Verbreitung der pazifischen Ratte führte zu schweren Schäden in den fragilen Ökosystemen der pazifischen Inseln. Davon waren die einheimischen Fauna und bodenbrütenden Vogelarten besonders betroffen. Zusammen mit der Überjagung durch den Menschen führte das zu deren Aussterben. Mit dem Beginn der Lapita-Kultur wird die biologische Diversität der meisten Inseln radikal reduziert.

Die patagonische Beutelratte

Die Patagonische Beutelratte (Lestodelphys halli) ist eine Beutelsäugerart aus der Familie der Beutelratten (Didelphidae). Sie kommt nur in Patagonien vor und hat von allen amerikanischen Beuteltieren das südlichste Verbreitungsgebiet.

Die Patagonische Beutelratte ähnelt äußerlich leicht den Mäusen, mit denen sie aber nicht verwandt ist. Ihr dichtes, kurzes Fell ist an der Oberseite grau gefärbt, die Unterseite und die Beine sind weiß. An den Schultern und Hüften hat sie schwarze Flecken. Der Schwanz, der deutlich kürzer als der Körper ist, ist dicht behaart und kann wie bei den Fettschwanzbeutelratten als Fettspeicher verwendet werden. Die Krallen sind schärfer als bei anderen Beutelratten und stellen eine Anpassung an eine bodenbewohnende Lebensweise dar. Durch den kürzeren, breiteren Schädel und die größeren Eckzähne unterscheiden sie sich von verwandten Arten. Patagonische Beutelratten erreichen eine Kopfrumpflänge von 13 bis 14 Zentimetern, der Schwanz ist 8 bis 10 Zentimeter lang. Ein Exemplar hatte ein Gewicht von 76 Gramm.

Lebensweise

Lebensraum der Patagonischen Beutelratten sind Grasländer im südlichen Südamerika. Sie dürften hauptsächlich Bodenbewohner sein und mit ihren Krallen Baue graben. Sie leben räuberischer als andere Beutelratten und ernähren sich vorwiegend von Wirbeltieren wie Mäusen und kleinen Vögeln.

Über die Fortpflanzung ist wenig bekannt. Weibchen haben 19 Zitzen, aber keinen Beutel, sodass die Jungtiere in den ersten Lebenswochen an der Mutter hängend herumgetragen werden. Wie die übrigen Beutelratten dürften sie eine kurze Tragzeit und eine hohe Wurfgröße haben.

Bedrohung

Die Art ist nur von wenigen Exemplaren bekannt, die alle in einer relativ kleinen Region gefunden wurden. Durch menschliche Einflussnahme dürfte ihr Lebensraum stetig verkleinert werden, sodass sie von der IUCN als gefährdet (vulnerable) gelistet wird.

Die Nacktschwanz-Beutelratte

Die Nacktschwanzbeutelratte (Metachirus nudicaudatus) ist eine Beutelsäugerart aus der Familie der Beutelratten (Didelphidae). Sie wird auch Braune Vieraugenbeutelratte genannt, ist mit den Vieraugenbeutelratten der Gattung Philander aber nicht nahe verwandt.

Nacktschwanzbeutelratten sind in Mittel- und Südamerika beheimatet, ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Mexiko bis ins nördliche Argentinien.

Beschreibung

Diese Tiere zählen zu den größeren Beutelratten, sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 19 bis 31 Zentimeter und ein Gewicht von bis zu 800 Gramm. Ihr kurzes, dichtes Fell ist an der Oberseite bräunlich gefärbt, die Unterseite ist hellgrau. Ihr Gesicht ist fast schwarz, über jedem Auge haben sie einen grauen Fleck, dem sie den Namen Vieraugenbeutelratte verdanken. Der Schwanz, der länger als der Körper ist, ist bis auf die Wurzel unbehaart.

Lebensweise

Der Lebensraum der Dickschwanzbeutelratten sind Wälder oder buschbestandene Grasländer. Sie leben sowohl in Bäumen als auch am Boden und sind strikt nachtaktiv. Als Ruheplätze dienen ihnen Nester aus Blättern und Zweigen, aber auch Erdhöhlen und Felsspalten. Diese Tiere sind Allesfresser, nehmen aber in erster Linie Früchte zu sich. Zusätzlich verzehren sie Insekten, Vogeleier und kleine Wirbeltiere.

Fortpflanzung

Nacktschwanzbeutelratten haben keinen Beutel, sondern nur Hautfalten, in denen sich die fünf bis neun Zitzen verbergen. Die Wurfgröße liegt zwischen eins und neun, die Tragzeit dürfte wie bei allen Beutelratten sehr kurz sein. Die Lebenserwartung dieser Tiere dürfte kaum drei bis vier Jahre übersteigen.

Bedrohung

Nacktschwanzbeutelratten gelten mancherorts als Plage, da sie Fruchtplantagen verwüsten. Dennoch sind sie weitverbreitet und zählen nicht zu den bedrohten Arten.

Die systematische Stellung der Nacktschwanzbeutelratte ist nicht restlos geklärt. Die Ähnlichkeiten mit den Vieraugenbeutelratten (Philander) sind oberflächlich und kein Anzeichen für eine nahe Verwandtschaft. Gelegentlich wird sie in einer eigenen Unterfamilie, Metachirinae, eingeordnet, die möglicherweise eine Übergangsform zwischen den Beutellosen Beutelratten (Marmosinae) und den Eigentlichen Beutelratten (Didelphinae) darstellt. (Siehe Systematik der Beutelratten.)

Die Monckton Schwimmratte

Die Monckton-Schwimmratte (Crossomys moncktoni) ist ein wenig bekanntes großes Nagetier Neuguineas. Sie wurde bisher nur im Hochland des östlichen Neuguineas beobachtet, es gibt aber Anzeichen dafür, dass sie auch im Westen der Insel vorkommt.

Von allen Schwimmratten ist die Monckton- Schwimmratte am besten an das Wasserleben angepasst. Die Kopfrumpflänge beträgt 18 bis 20 cm, hinzu kommen 22 bis 26 cm Schwanz. Das Fell ist oberseits graubraun und unterseits weiß gefärbt. Der Schwanz hat an der Unterseite einen Borstenkamm, ein unter Nagetieren einmaliges Merkmal, das sich ganz ähnlich bei der Wasserspitzmaus findet. Offenbar unterstützt diese Vorrichtung die Ruderfunktion des Schwanzes. Außerdem hat diese Art ein wasserdichtes Fell, vergrößerte Hinterbeine mit Schwimmhäuten, verkleinerte Augen und Ohren. Letzteres hat auch zu dem Namen Earless Water Rat (“Ohrlose Schwimmratte”) geführt, der aber irreführend ist, da bei genauerer Betrachtung die Ohren deutlich erkennbar sind.

Die Monckton-Schwimmratte lebt entlang von Bergbächen in Höhen zwischen 600 und 3000 m. Sie gräbt Baue in den Flussufern, in denen sie in den Nächten schläft. Tagsüber geht sie auf die Jagd auf Kaulquappen, Würmer und Wasserinsekten.

Die Mindoro-Ratte

Die Mindoro-Ratte (Anonymomys mindorensis) ist ein kaum bekanntes Nagetier der Philippinen-Insel Mindoro, das erst dreimal gesehen wurde.

Alle Exemplare wurden an den Hängen des Ilong Peak im Nordosten der Insel gefunden. Sie hatten eine Kopfrumpflänge von 12 cm, hinzu kamen 20 cm Schwanz. Sie waren oberseits hellbraun und unterseits weißlich. Das Fell war stachelig-borstig, der Schwanz trug eine Quaste. Äußerlich ähnelt die Mindoro-Ratte einer Weißbauchratte (Gattung Niviventer), ist aber anatomisch durch eine kürzere Schnauze und in Relation größere Zähne von dieser unterschieden.

Mindoro-Ratten sind offensichtlich Baumbewohner. Alle drei Exemplare wurden in Höhen um 1350 m gefunden. Durch die fortschreitende Entwaldung Mindoros ist ihr Lebensraum gefährdet. Die IUCN hat das kaum bekannte Tier vorsorglich als gefährdet eingestuft.

Die Maulwurfsratte

Als Maulwurfsratten bezeichnet man verschiedene Nagetiere, die nicht eng miteinander verwandt sind, aber alle eine grabende Lebensweise gemein haben. Dies sind vor allem

• die Asiatischen Maulwurfsratten, besser bekannt als Blindmulle
• die Afrikanische Maulwurfsratte, eine Art der Wurzelratten

Gelegentlich findet man auch die folgenden Tiere unter der hier zu vermeidenden Bezeichnung “Maulwurfsratten”:

• die Bandikutratten
• den Nacktmull
• die Blindmäuse

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Die Mähnenratte

Die Mähnenratte (Lophiomys imhausi) ist ein afrikanisches Nagetier. Es handelt sich um eine große Art der Langschwanzmäuse, die keine lebenden näheren Verwandten hat und in der biologischen Systematik isoliert dasteht.

Eine Mähnenratte hat eine Kopfrumpflänge von zirka 30 cm, hinzu kommen 18 cm Schwanz. Das Gewicht liegt bei etwa 750 g. Weibchen sind im Schnitt größer als Männchen. Das struppige Fell ist schwarz oder braun mit weißen Streifen und Flecken. Diese unregelmäßigen Zeichnungen sind bei jedem Tier unterschiedlich über das Fell verteilt, es gibt also eine hohe Variabilität. Nur die Schwanzspitze ist immer weiß. Namengebend ist eine Mähne, die vom Scheitel über den Rücken bis zum vorderen Schwanzviertel verläuft. Diese Mähne ist aufrichtbar und in der Farbe immer dunkler als das umgebende Fell. Unpassend ist der Namensbestandteil “-ratte”, denn mit seiner stumpfen Schnauze und der plumpen Gestalt ähnelt es keinem anderen Nagetier, hat aber von weitem betrachtet fast die Proportionen eines Stachelschweins. Der Kopf allein ähnelt in seiner Form dem eines Meerschweinchens.

Verbreitung und Lebensweise

Das Verbreitungsgebiet der Mähnenratte reicht vom Sudan über Äthiopien, Somalia, Kenia und Uganda nach Tansania. Sie lebt hauptsächlich in Wäldern, aber auch in allen anderen Habitaten, sofern Bäume vorhanden sind. Mit den opponierbaren Krallen und den langfingrigen Pfoten ist die Mähnenratte an ein Leben in den Bäumen angepasst. Obwohl sie sehr gut klettert und auch senkrechte Stämme bewältigt, bewegt sie sich im allgemeinen sehr langsam. Ausschließlich nachts sucht sie nach Blättern und Knospen, die sie auf den Hinterbeinen sitzend verspeist, während die Nahrung zwischen den Vorderpfoten gehalten wird. Wird die Mähnenratte aufgeschreckt, gibt sie ein Zischen von sich und stellt ihre Rückenmähne auf. Diese Drohgebärde könnte von manchen Tieren mit einem Stachelschwein verwechselt werden, das seine Stacheln aufstellt (Mimikry).

Bis ins 19. Jahrhundert lebte die Mähnenratte auch auf der Arabischen Halbinsel. Dies ist durch Knochenfunde und frühe Reiseberichte belegt. Heute scheint sie dort allerdings ausgestorben zu sein.

Die systematische Zuordnung der Mähnenratte ist weiterhin unklar. Früher wurde sie oft den Wühlmäusen zugeordnet. 1973 stellte der französische Paläontologe Lavocat die Theorie auf, die Mähnenratte habe gemeinsame Vorfahren mit den Madagaskar-Ratten; er vereinte beide in einer Familie. Diese Theorie ist heute durch molekulargenetische Analysen widerlegt. Eine alternative Zuordnung konnte aber nicht erfolgen, so dass die genaue Position der Mähnenratte weiterhin unklar ist.

Der Zoologe Oldfield Thomas beschrieb 1910 vier Arten der Mähnenratten, korrigierte sich aber später selbst, indem er feststellte, dass alle Mähnenratten einer Art angehörten.